The Länd
- R.

- vor 3 Tagen
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Nice here. But have you ever been to Baden-Württemberg?
Eine der besseren Werbekampagnen. Und da ich es gerade durch die rosa rote Brille sehe, stimmt diese Aussage vollkommen.
Ich entdecke im Moment die Region wieder, aus der ich stamme. Und ich scheine tatsächlich etwas von einer Liebe wiederzuentdecken, von der ich dachte, es gäbe sie nicht mehr.
Viele Jahre habe ich in Stuttgart gelebt. Mehr als 25 Jahre. Mehr als die Hälfte meines Lebens. Und meistens habe ich verschwiegen, dass ich nicht wirklich aus Benztown komme, sondern etwa 50 Kilometer östlich davon, von der Ostalb.
Kohlera, Lepra, Alpra. Noch so ein Slogan, den es hier gibt. Nicht zuletzt wegen des Dialekts, der hier gesprochen wird. Ein Dialekt, der ziemlich genau trennt zwischen Einheimischen und Neigschmeckten.
Und was soll ich sagen: Das Schwäbisch sitzt noch locker bei mir. Da waren keine zwei Sätze nötig, und es rutschte wieder heraus. Fließend. So fließend, dass ich aufpassen muss, nicht im breitesten Schwäbisch mit Menschen von weiter weg zu reden.
Also ja: Ich kann alles. Auch Schwäbisch.
Dialekt ist eine Sache. Bei mir wurde schon im frühesten Kindesalter darauf geachtet, dass ich nicht zu sehr schwäble. Neben ausgezeichneten Tischmanieren natürlich. Wo immer eben Prioritäten in Familien liegen.
Aber zum Schwabe sein gehört mehr als Dialekt. Es ist die Liebe zur Region. Und genau die entdecke ich gerade wieder.
Es ist nicht nur so, dass ich von der Ostalb komme. Nein, es ist sogar eine ganz bestimmte Gegend innerhalb der Ostalb. Das Leintal und die Frickenhofer Höhe.
Wer kennt sie nicht?
Die meisten werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, wo das überhaupt liegen mag. Zwischen Kocher und Remstal. Den Rest findet ihr mit Google.
Und wie entdeckt man seine alte Liebe am besten wieder? Richtig. Mit dem Fahrrad.
Also geht es gerade fast jeden Tag auf Wiederentdeckungstour. Mal nach links, mal nach rechts. Mal 30 Kilometer, mal 50 Kilometer, mal nur 20 Kilometer um die Ecke.
Eschach, Iggingen, Schönhardt, Hohenstadt, Schechingen, Untergröningen, Obergröningen, Hönig, Ruppertshofen, Tierhaupten, Utzstetten, Frickenhofen, Mittelbronn, Rotenhar, Gschwend, Schlechtbachtal, Täferrot, Brainkofen, Herlikofen, Böbingen, Essingen, Mögglingen, Göggingen, Lindach, Abtsgmünd, Seifertshofen, Mulfingen, Horn, Heuchlingen und, es tut mir leid, liebe Heuchlinger, natürlich die einzig wahre Leintalperle: Leinzell.
Es kann nur eine Perle geben. Und es ist wohl klar, welche.
Neben den Tälern und den Rampen hinauf und hinunter zur Frickenhofer Höhe gibt es hier sehr viele Stauseen. Sie wurden in den siebziger und achtziger Jahren zum Hochwasserschutz der Talbevölkerung angelegt und erledigen, meiner Kenntnis nach, ihre Arbeit still und heimlich ziemlich gut.
Diese Seen sind kleine Naherholungsgebiete. Vor allem bei dieser Hitze.
Hitze ist ein gutes Thema. Ich genieße sie gerade. 35 Grad und Fahrradfahren. Richtig herrlich. Ich vertrage diese Hitze hier sehr gut. Kein Vergleich zu Queensland und seiner abnorm hohen Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich kommt hinzu, dass ich wieder auf der richtigen Seite fahre, das macht vieles wieder einfacher, auch die Radinfrastuktur ist um welten besser hier, zusätzlich ist die Rücksichtsnahme im Verkehr sehr viel höher (StVO §1)
Etwas anderes ist mir ebenfalls aufgefallen: Ich komme hier mit dem Tag und Nachtrhythmus wieder sehr viel besser klar. In Australien habe ich meistens unter permanenter Müdigkeit gelitten. Hier hat es keinen Tag gedauert, und ich hatte mich wieder an die Zeitzone angepasst. Vielleicht hat mein Körper sie ja nie wirklich verlassen. Würde vieles erklären.
Und so genieße ich wieder Tage, die bis 22 Uhr abends dauern. Was habe ich das vermisst.
Menschen, die nach 20 Uhr noch auf den Straßen sind. Und ja, was machen sie da? Das, was Menschen eben so machen um 20 Uhr im Sommer. Grillen. In Cafés sitzen. Fußball schauen. Chillen.
Kein Vergleich zu Down Under. Ich mag das hier viel mehr, fällt mir auf. Dieses Miteinander. Die Hilfsbereitschaft. Das Kümmern umeinander. Nicht nur im Familiären. Das ist sehr stark hier, diese Verbundenheit.
Auch dieses teilweise Unfreundliche. Dieses Ungespielte. Das Echte, das es hier wieder gibt. Vor allem in dieser Region. Ich habe diese Art wirklich vermisst. Die Direktheit. Die Klarheit der Menschen.
Ansage, und jeder weiß, was zu tun ist. Keiner eiert herum. Der andere ist ein Idiot, jeder weiß das, und alle stimmen zu.
Und bei mir?
Neben Fahrradfahren und natürlich wieder einmal Diät, man bin ich fett von den Inseln zurückgekommen, gibt es hier eine Fußballweltmeisterschaft zu bestaunen und hin und wieder harte, ehrliche Gartenarbeit.
Ich genieße es. Vor allem, weil ich auch weiß, dass diese Phase bald wieder vorbei ist.
In diesem Sinne.
P.S.: Ich bin bald mit dem Sichten der Bilder und Videos durch (30 000 Bilder) und werde mir bald Anadar wieder zur Brust nehmen, wer also noch weiterlesen will oder damit anfangen, jetzt ist noch Gelegenheit, bald werde ich es von der Homepage nehmen. Danke für die 4 Testleser, die es bis zum Ende durchgezogen haben :D




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