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No worries, mate!

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 14. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Naurgh. Naurrr. 9 also nein. Oder einfach no, wie der Rest der Welt außerhalb Australiens sagt.

Sorgen braucht man sich keine machen. Vor allem nicht um mich. Ich besitze wieder einen Schlüssel. Zwei sogar. Ich scheine also nicht mehr obdachlos zu sein. Jetzt können alle anständigen Schwäbinnen und Schwaben wieder beruhigt schlafen.

Mit dem Kerle goht’s wieder uffwärts, nemme lang ond er hot au wieder aschtändige Hosa o. No worries, mate!

Ich bin zu Hause. In Deutschland. Angekommen. Und ich bin immer noch dabei, mein Australienerlebnis zu reflektieren. Das wird nicht mehr lange so weitergehen, schließlich geht das Leben weiter, wie wir immer so schön sagen. Nach vorne blicken, die nächsten Schritte ins Auge fassen und weitermachen. Von der Theorie in die Praxis kommen.

Für mich heißt das zuallererst: meine Fahrräder wieder zusammenschrauben und den Mann besuchen, der mein Vater ist.

Dann stehen ungefähr ein Terabyte Daten, Fotos und Videos zum Sichten an. Danach wieder ein geregeltes Leben. Beinahe hätte ich normales Leben geschrieben. Aber was ist schon normal?

Ansonsten habe ich mir vorgenommen, gar nicht mehr so viel nachzudenken. Nicht mehr nach hinten gerichtet zu leben, sondern wie bisher mit wenig Plan und noch weniger Verantwortung, außer für mich selbst, voranzuschreiten. Hat bisher erstaunlich gut funktioniert mit meinem wunderbaren Bauchladen voll bunter Bilder, wie ich es gern selbst nenne.

Andere haben andere Bezeichnungen dafür. Abwertendere.

Who cares what other people think? Their needs and expectations are their own business. Ich nehme zur Kenntnis, was andere über mich denken. Ich muss nur nicht darin mit ihnen übereinstimmen. No worries, mate!


Also nun. War wirklich alles schlecht in Australien, so wie es sich manchmal angehört hat? So, wie ich geschrieben habe? Kann man das alles so hinstellen?

No worries, mate! Sicherlich nicht.

Jeder macht andere Erfahrungen. Ich habe meine gemacht. Ist alles furchtbar? Nope. Mitnichten. Ich habe es nur durch einen einseitigen Filter gepresst. Es gibt durchaus Dinge, die in Australien sehr viel besser sind als hier.

Als Erstes: öffentliche Toiletten.

Die gibt es fast überall, und sie sind wirklich gut zu benutzen. Meine Ex Frau hätte ihre Freude daran gehabt. Auch beim Müll muss man Australien lassen: Es liegt fast nirgends welcher herum. Ganz selten sieht man welchen. Beinahe wie in Frankreich. Da sind wir in Deutschland nicht ganz so gut. Okay, immer noch sehr weit von Rumänien oder Fiji entfernt, aber nicht ganz so gut.

Man sieht, woran ich zuerst denke: Toiletten und Müll. Armutszeugnis vielleicht. Stellt sich nur die Frage, für wen. No worries, mate!

Auch die Digitalisierung ist ein großer Pluspunkt in Australien. Gut, sie funktioniert auch deshalb besser, weil es dort weniger digitale und ganz allgemein weniger Privatsphäre beziehungsweise Datenschutz gibt. Das ist der Haken. Dort rufst du an und bekommst schnell Auskunft. Auch über Angehörige. Dinge, die hier in Deutschland sehr viel schwieriger sind.

Kann gut sein. Kann schlecht sein.

Auch das Rentensystem wirkt dort besser geregelt. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, mit Superannuation und Pension. Sieht ihr, ich muss mir nicht einmal richtig Mühe geben, um Pluspunkte zu finden. Mir würden sicherlich noch sehr viel mehr einfallen, würde ich nur lange genug darüber nachdenken wollen. No worries, mate!

Aber nach 32 Stunden unterwegs sein bin ich auch ein bisschen durch.

Kaum in München ausgestiegen, habe ich sofort wieder die Vorteile des öffentlichen Nahverkehrs genossen. Deutschlandticket. Gibt es was Geileres? Gut, gut, da ich bald acht Kilometer von der nächsten Bahnhaltestelle entfernt wohne und dazwischen zweimal einhundert Höhenmeter liegen, muss ich das relativieren. Aber Fahrrad und Bahn, das geht. Es wird mir guttun, dieses Leben.

Landleben. Eine neue Perspektive. Neue Erfahrungen. Neue Geschichten.

Vom deutschen Großstadtleben habe ich heute am Münchner Hauptbahnhof schon wieder einen Vorgeschmack bekommen. Mein Gott, können Leute dumm durch die Gegend laufen.

Und ich habe es genossen.

So. Ich muss jetzt los und etwas aus dem Tag machen. Ich saß den ganzen Vormittag in einer Küche in einem alten Bauernhaus und habe mich stundenlang beim Frühstück mit anderen Menschen gut unterhalten.

Dass es so etwas noch gibt?

Und keiner ist gegangen und hat sich beleidigt gefühlt.

Oh mein Gott.

Einfach wieder wunderschön.

In diesem Sinne: no worries, mate.

 
 
 

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