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Mannheim - Stuttgart 160 km

Autorenbild: R.
R.
5. Juli
3 Min. Lesezeit

Und dann noch einmal zehn Kilometer mit zweimal 100 Höhenmetern, bis ich zuhause war. Aber die zählen ja nicht dazu. Warum 160 Kilometer von Mannheim nach Stuttgart? Das geht doch auch kürzer, zum Beispiel 120 Kilometer über Sinsheim. Und warum Stuttgart und nicht direkt auf die Frickenhofer Höhe? Das wären auch nur zwanzig Kilometer mehr gewesen. Fragen über Fragen, die ich im Laufe dieses Textes vielleicht beantworte.

Ich habe morgens noch einmal eine Runde geschlafen. Ich war um sieben Uhr wach und eigentlich bereit weiterzufahren. Nach kurzer Diskussion mit meinen Oberschenkeln, die schlicht die Arbeit verweigerten, drehte ich mich aber noch einmal um und schlief weiter. Um neun Uhr ließ ich es dann rollen. Des Schwaben seine Landesader, ja liebe Badener, des Schwaben seine, von Mannheim nach Heidelberg, den Neckar entlang. Eigentlich war das um 2021 herum meine Stammstrecke, um abends nach der Arbeit oder manchmal auch morgens noch ein paar Meter zu machen. Ohne groß nachzudenken stand ich eine Stunde später in Heidelberg. Und hier, so toll diese Stadt auch ist, habe ich noch nie einen vernünftigen Weg mit dem Fahrrad Richtung Altstadt gefunden. Auch heute nicht. Also nutzte ich wieder die Straße am Neckar entlang, zum Missfallen einiger Autofahrer. Aber hey, ich sah nirgends ein Benutzungspflichtschild für den Radweg, also alles legal.

Nach dem ersten Frühstück mit Blick aufs Schloss fuhr ich mit einem bedauernden Seufzer weiter. Gern wäre ich hoch zum Königsstuhl gefahren. Schon auf der Fahrt nach Heidelberg sah ich den Funkturm vom Weißen Stein, und auch da wäre ich so gern wieder hoch. Aber keine Zeit und vermutlich auch nicht fit genug, zumindest nicht mit Gepäck. Ein andermal. Vor allem, weil auch das, was dann kam, der Radweg am Neckar entlang, für mich eine der schönsten Radstrecken Deutschlands ist. Gut, manchmal ein bisschen viele Schlaglöcher im Schotter auf der rechten Seite, aber teilweise traumhafter als das Weltkulturerbe Mittelrheintal. Die linke Seite des Neckars ist angenehmer zu fahren, auf der Straße mit breitem Seitenstreifen, aber ich hatte heute Zeit und blieb bis Zwingenberg auf der rechten Seite.

Vorbei an den vier Burgen, vorbei an Dilsberg mit seiner wunderschönen Burg und Altstadt. Auch hier wäre ich gern hochgefahren, aber wieder: keine Zeit dafür. Dann Hirschhorn, Eberbach, Stolzeneck und Zwingenberg. Es sind nicht nur die Burgen. Es sind die Dörfchen, die Steinbrüche, die Wege dazwischen und die Geschichte, die mit allem verbunden ist, die diese Strecke so besonders machen. Auch mit meiner persönlichen Historie. Das allererste Mal, als ich dieses obere Neckartal fuhr, saß ich am Bug der MS Wissenschaft, irgendwann 2003 oder 2004. Abends nach Ausstellungsende in Heidelberg los, an Deck gegrillt und vorbei an dieser Szenerie, bis wir nachts irgendwo unterwegs anlegten. Das werde ich mein Leben nicht vergessen. Wie ich mit offenem Mund an Deck saß und die Gegend vorbeiziehen sah. So schön.

Als ich in Mannheim lebte und arbeitete, habe ich meine Liebe zum Odenwald entdeckt. Immer wieder bin ich an einem Samstag oder Sonntag, wenn ich nicht nach Hanau gefahren bin, entweder die Bergstraße hoch bis zum Schloss Frankenstein oder über Weinheim in den Odenwald. Oder aus Hanau kommend in den Odenwald hinein, und nicht nur einmal bin ich irgendwann direkt in diesem Neckartal herausgekommen und den Rest nach Mannheim zurückgefahren. Da gibt es wirklich einige schöne Wege und Touren. Wie oft ich hoch zum Katzenbuckel, dem höchsten Berg im Odenwald, gefahren bin, nur um in Eberbach wieder herauszukommen.

Irgendwann wechselte ich, wie gesagt, die Flussseite und kam auf eine breite Straße mit breitem Seitenstreifen. Von da an konnte ich Kilometer fressen. Das war so meditativ, dass ich mich noch erinnere, wie ich ein Schild sah, auf dem stand: Mosbach 8,8 Kilometer. Das nächste Schild, das ich bewusst wahrnahm, sagte: Mosbach 15 Kilometer. Und ich dachte mir: Moment einmal? Das hat mich so schockiert, dass ich erst einmal auf die Karte schauen musste, nur um festzustellen, dass ich wohl einfach an Mosbach vorbeigefahren war und schon beinahe in Heilbronn stand. Glücklicherweise musste ich dann erst einmal eine Regenpause einlegen und kam wieder in der Realität an, als ich unter einem Baum stand und alles nass wurde. Dreißig Minuten Pause und danach Kleiderwechsel, so durchnässt war ich.

Dann ging es weiter nach Heilbronn. Dort stellte sich kurz die Frage: gleich durchfahren, ungefähr achtzig Kilometer, zumeist hoch und runter auf Landstraßen, mit einem Anstieg auf die Frickenhofer Höhe, der es in sich hat? Oder fünfundfünfzig Kilometer nach Stuttgart, dann Bahn und danach noch einmal zehn Kilometer mit zweimal 100 Höhenmetern? Die Qual der Wahl. Ich entschied mich für den Neckarradweg, mit ein paar Abkürzungen über die Schleifen. Und das war es wert.

Es war schön. Und ich bin entspannt.

In diesem Sinne.

 
 
 

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