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Köln (5 km) Mainz – Würzburg (160 km)

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 25. Juli 2022
  • 3 Min. Lesezeit



Eigentlich wartete ich heute den ganzen Tag auf das kleine Männchen mit dem Hämmerchen, dass mir von hinten die Glocke ausschlägt. Kein Wunder, bei Sonne und teilweise 38°C und dem Streckenprofil, vor allem den letzten 60 km. Aber, es kam nicht, soviel vorweg. Morgens ging es gut los, ICE in Köln erwischt, 3 Fahrradstellplätze, wow. Bis Koblenz keine Verspätung, dann stiegen 3 Männer mit Fahrrädern zu. 1 Stellplatz war frei, die Schaffner kamen hinzu und wiesen auf den mangelden Platz hin, angeblich wäre der ICE der 3 Männer ausgefallen, sie müssten ja nur nach Mainz. Die Schaffner baten die Männer auszusteigen (Sicherheit), die bewegten sich nicht (Anmerkung, der RE nach Mainz braucht nicht wesentlich länger). Irgendwann sagte ein Schaffner, er habe eine Idee, die Männer sollen doch mitkommen, einer könne hierbleiben. 2 stiegen aus, Schaffner sprang rein, Türen zu, Zug fuhr los. So geht das also. In Mainz dann insgesamt 10 Minuten Verspätung, andere erreichen ihre Anschlüsse nicht, super Burschen. So bekommen also die Züge ihre Verspätung. Okay also ein bisschen zu spät in Mainz gestartet, habe mir noch überlegt mit dem RE nach Darmstadt oder Aschaffenburg zu fahren, aber ich wollte es wissen heute, Grenzen austesten. Auch weil ich mir eine Strecke aussuchte die ich noch nicht kannte, bzw nur in Nord-Süd Richtung und nicht West-Ost fuhr ich los. Punkte kannte ich, Abschnitte auch, aber nicht alles. Schon wieder Lücken in meiner Landkarte geschlossen. War um 10 Uhr schon knall heiß, dann klingelte noch das Telefon, einmal, zweimal, dreimal, heute war ich wichtig. "Richtig wichtig" super. Email hier, Rückruf da, so richtig bin ich erst um 11 Uhr losgekommen da war es schon richtig heftig mit 35°C. Nach Rüsselsheim ging es dann Radwege um Langen, Dreieich, Rodgau und Babenhausen bis Aschaffenburg, da war ich um 14 Uhr. Knapp 80 – 90 km. Das lief heute (nicht nur der schweiß), aber ich wusste, daß schlimmste lag noch vor mir. Rein in den Spessart, mein Proviant (4l Wasser, Bananen, Äpfel) war bereits aufgebraucht, ich eschaut mich nach einem Laden/Tankstelle um und wurde in einem kleinen Dorf fündig. Die Tür war offen besser nicht abgeschlossen, innen dunkel „Mach die Tür zu, du lässt die Wärme rein“ zischte es aus dem Dunkeln beim eintreten, in einem fränkischen Akzent. Reflexartig schloss ich die Tür, meine Augen gewöhnten sich ans Dunkel und ich machte eine rotharige Frau aus. Im Dunkeln in einem alte Tante Emma Laden, sprachgesteuert einkaufen, großartig. Hat Spaß gemacht, haben uns gleich blind verstanden. Für 3.5 l Wasser 3 Bananen und 2 Äpfel musste ich auch ganze 4.20€ berappen, da hab ich die Woche schon 0.33l Wasser dafür bekommen. Noch ein bisschen Palaver und dann ging es weiter, endlich hoch. Entlang der Autobahn einen ausgebauten Weg, teilweise Schotter, teilweise im Wald, teilweise in der Sonne, 300 Höhenmeter auf ein paar Kilometer, 38 Grad der Schweiß lief, ich liebe das. Hab Gas gegeben, das Männchen mit dem Hämmerchen kam nicht. Oben angekommen zog ich den Helm auf und runter, was dann folgte war Großartig. So ca 30 km Abfahrt. Auf 20 km geteerte Straße kamen mir 2 Autos, 2 Motorräder und 4 Fahrräder entgegen, überholt hat mich keiner. Das war phänomenal geil. Dann Markheidenfeld, Regen, kurz, gute Abkühlung und dann fing der Horror an. Insgesamt zählte ich 9 Zacken des Sägezahnprofils, hoch, runter hoch, runter immer 100 Höhenmeter hoch, 70 runter und wieder, bei der Hitze. Bei der 5ten Zacken oder so legte ich den letzten Gang ein und wollte mich hochquälen, aber heute? Heute lief es, hatte noch Saft also raus aus dem Sattel und Attacke. Doch mit ganz leichtem Gepäck, also das hat was, da bleibt noch was übrig zum angreifen am Hügel. Irgendwie war ich dann aber auch froh als ich endlich in Würzburg ankam, zu selben Zeit wie meine Frau die nach der Arbeit los ist. Noch kurz gemeinsam essen. Morgen freu ich mich auf Café mit Bruno und dann zurück. Ab Mittwoch wieder Termine über Termine und Termine und jetzt steht das Männchen vor mir, schwingt sein Hämmerchen und grinst mich an, wenigstens von vorn, in diesem Sinne, Gute Nacht !







 
 
 

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