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Kingdom of Tonga II

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 11. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Platz schaffen, runterschreiben, bevor es nun nach Samoa geht. Ich sitze in Nadi auf Fiji am Flughafen und warte auf meinen Weiterflug. Fiji ist der Südpazifik Inselhub. Fiji Airways, ganz groß hier, fliegen gefühlt alles an, bis auf Neukaledonien, wie mir scheint, wobei ich mich da auch täuschen kann. Nadi ist also das Tor zum Südpazifik, so viel als kleine Information am Rande.

Wie waren die anderen Tage im Königreich? Sehr entspannend. Ich habe ganz bewusst keinen Bootsausflug gemacht und keinen Taxitrip, ich war fasziniert genug von dem Ausblick aus meinem Fenster, direkt dieser Ozean vor der Tür, die Schweine und die Fliegen, die Gezeiten, ich fand es wunderschön, und außerdem hatte ich ein Fahrrad. Eines von der Sorte all gas, no brakes, und keine Pedale im Übrigen, die waren abgebrochen, es waren nur noch diese Metallstege da, die kurzen, die sich beim Radeln irgendwie mitdrehen. Und ich machte Gebrauch von dem Fahrrad, entweder morgens nach dem Frühstück in der Unterkunft noch in die Stadt, einen richtigen Kaffee trinken, eigentlich zwei, eigentlich zwei doppelte, eigentlich einen von der Sorte, der dich nachts nicht schlafen lässt, vor allem wenn man davor einen Monat auf französischem Kaffee war, also heißem Wasser mit Kaffeegeschmack. Holy shit, die Dinger in Nukuʻalofa, die haben dir die Schuhe ausgezogen, die waren von der Klasse Fragola Bismarckplatz Stuttgart. Toni, bald bin ich wieder da. Unglaublich gut, aber mit Schlaf und Verdauungsproblemen inklusive.

Samstag, nach diesem Kaffee und dem Einkaufen, man sagte mir ja, Sonntag ist Ruhetag, bin ich dann los mit dem Fahrrad. Ganze zwanzig Kilometer bis zur Spitze der Insel, an der Abel Tasman gelandet ist. Und da fuhr ich also auf diesen Straßen, ohne Bremsen und Pedale, und was soll ich sagen, geil war’s. Die Straßen sind teilweise breit genug, dass keiner Beklemmungen bekommen muss, und weiter draußen, in einiger Entfernung zur Hauptstadt, werden sie schmaler, aber auch weniger befahren. Es ist im Übrigen so, dass man auf dem Fahrrad schon eine Rarität ist. Kinder winken einem zu, kommen angerannt, wenn man stehen bleibt. Ist wie in Bulgarien oder Rumänien, außer dass sie einen nicht ausrauben wollen. Nicht alle dort, aber ein paar schon.

Was mich ebenso an Südosteuropa erinnert? Die Hunde. Auf Tonga gibt es wahnsinnig viele Hunde, von ihren Besitzern zumeist in Rudeln gehalten, die vermehren sich freiwillig, oft mit gebrochenen und verheilt wirkenden Beinen, und sie jagen natürlich. Am liebsten Radfahrer. Wenn du zu Fuß unterwegs bist, kommen sie auch und umlagern dich. Mit dem Rad wirst du aber gejagt, und wie es so ist, einer oder zwei kommen von hinten und einer oder zwei von der Seite, die ganz normale Taktik. Und wie in Südeuropa ist es auch hier: Sie haben mehr Angst vor dir, als du vor ihnen haben solltest. Ein scharfes Wort, einmal die Hand über den Kopf erhoben und die Mütze abgezogen, und schon schleicht sich die Bande. Kein Problem, ruhig bleiben und drohen. Reicht völlig, immer. Klappt auch bei einer Rotte Wildschweine in Serbien. Nur ein einziges Mal hat das nicht gereicht, in den Abruzzen in Italien zwischen Foggia und Napoli, da hatte ich einen weißen Hund, ungefähr bauchnabelhoch, ein Vieh, das mich jagte, und nein, ich war nicht schneller, er musste nur irgendwann kacken. Puh.

Wo war ich, Hunde, ja. Davon hat es hier viele, und Schweine und Hühner laufen auch rum. Ob sie jemandem gehören, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, die Kühe auch nicht, die hin und wieder irgendwo herumstehen, gehört halt zur Landschaft. Ebenso wie der Plastikmüll. Weiter draußen auf der Insel fand ich dann doch den üblichen Dreck, am Straßenrand, an der Küste, eigentlich überall, jedoch nicht auf den Grundstücken, die sind sauber, mit Mülleimer und Abfuhr. Es ist also doch ein bisschen was da. Also radelte ich da so zu einem Ende der Insel, war angekommen, blickte mich um und sah den Müll. Die zwanzig Kilometer hatten mich schon ganz schön Kraft gekostet. So ohne Pedale ist das nämlich anstrengend, und meine Füße beschwerten sich auch gleich. Ich dachte mir, oh je, noch einmal zwanzig Kilometer zurück, wie gut, dass ich Zeit hatte, die Füße haben ganz schön gebrannt. und tuen es immer noch, ich hab da wieder Muskeln trainiert obrund der abstrusen Haltung, die kennst du nicht mit Namen, außer sie tun dann mal weh.

Ich wollte mir noch die eine oder andere Stelle anschauen, aber zumeist war kein Durchkommen an den Strand. Zugewuchert. Auch der Tsunami von 2022 hat wohl sehr viel zerstört, auch Teile der Unterwasserwelt, weswegen ich vom Schnorcheln Abstand genommen habe und meinem Ausrüstung einem Rick aus belgien, Anwalt und arbeitet in Sydney ausgliehen habe. Für mich eigentlich ziemlich langweilig, die Tage dort. Samstagabend zogen dichte Rauchschwaden über die Stadt, jeder warf seinen Grill an am Samstag. Und sonntags ist, wie gesagt, Ruhetag, also richtig Ruhetag. Nichts hat offen, ein paar Restaurants am Abend vielleicht, ansonsten nichts. Kein Kiosk, keine Tankstelle, nur Kirchen, und davon haben sie sehr viele. Und sie werfen sich alle in die Sonntagskleider und fahren sogar in Pick-up Trucks mit betenden Menschen auf der Ladefläche herum. Schön im Sonntagskleid, zehn Leute auf der Ladefläche, die Arme nach oben ausgestreckt, brausen die mit fünfzig Stundenkilometern durch die Gegend. Manche singen auch. Immer der Sonne entgegen, auf der kleinen Insel.

Ich ließ das Fahrrad stehen und bewegte mich am Sonntag nur zu Fuß durch die Stadt und wurde wieder von Hunden zur Beute erklärt, zumindest bis ich den Spieß umdrehte. Ich kann ganz furchtbar mit der Stirn runzeln, wie wir wissen. Es gibt Geschichten, dass die Polizei manchen Jogger in der Stadt schon verwarnt hat am Sonntag. Es ist einfach Sonntag. Und es sind sehr, sehr viele Kirchen auf dieser Insel, wirklich viele, und prächtige Bauten. Auch sonst sind die Häuser schön anzusehen, manche zumindest, erinnert teilweise ein bisschen an Australien, hübsche Gärten.

Montags dann habe ich nach dem morgendlichen Kaffee noch eine kleine Runde mit dem Fahrrad gedreht und mich dann ans Meer gesetzt, nachdem ich mich mit Mückenspray eingenebelt hatte. Das ist elementar, sonst kommst du aus dem Jucken nicht mehr raus. Und so habe ich den letzten Tag auf Tonga wirklich genossen und ins Meer gestrarrt und Musik gehört.

Um drei Uhr morgens hatte mir meine Gastgeberin ein Shuttle zum Airport bestellt, das um halb vier noch nicht da war. Glücklicherweise konnte ich noch einen jungen Mann mit Taxi aus dem Bett klingeln, mit dem Telefon, der mich dann an den Flughafen fuhr, sonst hätte ich wohl bleiben müssen. Schrecklich. Meine Gastgeberin rief mich an, als ich schon im Flieger saß. Sie vermutete mich noch in ihrem Gästezimmer, weil die eigentliche Fahrerin, die verschlafen hatte, sie geweckt hatte. Herrlich. Sie wollte mich noch schnell zum Flughafen bringen, wir waren aber beinahe schon im starten begriffen. Mein Flieger sollte um 5:40 Uhr gehen, er hob um 5:10 Uhr ab. So gehen die Uhren im Königreich Tonga. Ich mag das dort wirklich. In diesem Sinne.

 
 
 

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