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Greenstone Track, 61 km, 4 Tage

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 19. März
  • 12 Min. Lesezeit

Für diese Geschichte, die wohl etwas Überlänge hat, muss ich nun ein bisschen tiefer in meine Vergangenheit und dort beginnen. 1996, Wohnheim im Haus Lindenhof. Was für eine Zeit, was für eine geile Zeit. Legendär, für die, die dabei waren, bis heute. Wir wohnten in einem Wohnheim, 5 WGs mit je 4 Zimmern. Und einer dieser Bewohner war Matthias, Matze. Ich bekomme das nicht mehr genau zusammen, ich denke, er war schon etwa ein Jahr da, wir anderen relativ neu im Lindenhof. Und Matze war in Neuseeland für ein paar Wochen, und als er zurückkam, gab es eine Diashow. Ich kann mich daran noch erinnern, wie wir in meinem 12 m² Zimmer saßen, ganze 20 oder 25 Leute, und seinen Worten und den Bildern folgten.

Ja, es war damals eine andere Zeit, 96. Er erzählte von seinen Wanderungen, wie er durch Flüsse waten musste, an Abhängen bei Vollmond eine Steilwand erkletterte, seinen Rucksack über Schluchten warf. Ich habe es zumindest so in Erinnerung. Ob es wirklich so war, nun ja, das ist jetzt 30 Jahre her. Aber irgendwie klang das alles so wunderbar verrückt, und nun ergab sich für mich die Gelegenheit.

Abends saß ich noch im Bett im Hotel in Queenstown und versuchte zu verstehen, wie das geht mit dem Buchen von Hütten, welche Wanderung überhaupt infrage kommt und wie zur Hölle ich dann dort hinkomme. Irgendwann hatte ich zumindest ungefähr verstanden, wie das laufen könnte und welche Tour ich machen könnte, ohne den sicheren Tod zu erlaufen. Ich entschied mich für die Greenstone Tour, 4 Tage, 3 Nächte. Die letzte Nacht musste ich wohl campen, kein Platz mehr frei in der Hütte, sagte das Internetbuchungssystem.

Am nächsten Morgen kaufte ich mir noch ein paar Items zusammen, Schweizer Taschenmesser, Pflaster und, ganz wichtig, Verpflegung, ging noch zum DOC, dem Department of Conservation, und ließ mich weiter instruieren. Was sind die Dos, was sind die Don’ts, wie sieht es mit Drohnen aus, Karten etc. Eins vorweg, sie sagten mir, Drohnen, super, musst du nur auf der Homepage beantragen, wird dann am Montag entschieden, ganz easy. Da ich noch keine Drohne hatte, aber mir seit Australien eine kaufen wollte, ganz speziell für die Tour hier in Neuseeland, weil ich mir nicht sicher war, wie das hier in den Naturschutzgebieten gehandhabt wird, zögerte ich aber immer wieder. Die Drohne, die ich will, kostet im Laden etwa 1700 Dollar. Easy. Ich wollte nach dem DOC schon los und endlich eine kaufen, schaute aber erst noch auf die Homepage. In dem Gebiet, in das ich gehen wollte, kostete das Beantragen allein 2300 Dollar, ohne dass sicher gewesen wäre, ob das überhaupt bewilligt wird. Gut, schon Geld und Gewicht gespart.

Der Tag in Queenstown ging dann auch irgendwie rum, und ich packte alles in Zipbeutel und verstaute die Dinge in meinem Rucksack. Vom Volumen her kein Problem, sogar mit Proviant. Nur das Gewicht. Insgesamt hatte ich 30 kg auf dem Rücken. 30 kg ist Gewicht, einiges an Gewicht. Aber um ehrlich zu sein, es war mir egal. Sinn dieses Trips und dieses Hikes war es für mich, an meine Grenze zu kommen. Wann breche ich, mental, wann körperlich unter der Last zusammen und wie mache ich dann weiter. Ich musste verstehen, wie und ob ich noch funktioniere.

Deswegen bestand meine Verpflegung nicht aus getrocknetem Fertigfutter, in das heißes Wasser gegossen wird, das vertrage ich eh nicht, sondern ganz klassisch suchte ich eine Bäckerei im Ort, wirklich gutes Brot, das ich richtig verpackte, damit es auch nach 4 Tagen noch gut ist, dazu 3 Liter Milch und proteinangereicherte Haferflocken, auch mit Wasser genießbar, Elektrolytmischung, wirklich sinnvoll, und zu meinem Leidwesen die hier erhältliche Wurst und Käse, um das Vesper perfekt zu machen.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hier steht zwar auf der Salami aus Italien oder Gouda aus Holland importiert, aber so etwas würden die da nie herstellen und dann verschicken. Obwohl, wenn ich so drüber nachdenke? Egal. Ich habe es mir hier in Ozeanien zur Angewohnheit gemacht, das Zeug zu kaufen, das ich in Europa eh nicht kaufen würde, also Käsesorten wie Cheddar. Ich meine, ich kenne das Zeug nicht, also werde ich auch beim ersten Biss nicht enttäuscht. Und Enttäuschungen gab es hier viele.

Für das Wasser hatte ich mir anstatt eines Kochers, ich mag diese Dinger einfach nicht, ein cleveres Filtersystem zugelegt, bei dem du Wasser durch einen Filter presst. So konnte ich an jedem Gewässer, okay, ich bin picky, an Fließgewässern in meinem Fall, 500 mL sauberes Wasser relativ unkompliziert herstellen. Ich hatte zwar natürlich eine 2 L Blase in meinem Rucksack dabei, verwendete diese aber nie. Trainingsgewicht.

Am nächsten Morgen ging es dann um 7 Uhr mit einem wunderschönen Sonnenaufgang für mich los, Richtung Abfahrtsstelle des Shuttles. Das waren 1,5 km zu laufen, und die machte ich ganz zügig. Ganz angenehm, dachte ich, schönes Trainingsgewicht. Pünktlich stand ich da, am Schalter. Vor mir eine Frau, ich nenne solche Spezies immer Katherinas, nicht wegen des Aussehens, in diesem Fall kurz, fettige blonde Haare, Brille, blaue Jacke, grüner Rucksack, sondern wegen der Art, wie sie reden und was sie fragen.

Von wo würde das Shuttle abgehen? Sie solle draußen vorne warten, der Fahrer würde sie holen. Ja, aber wo fährt das Shuttle denn nun ab? Das wisse sie nicht, kann sein vorne, kann sein hinten, wie lang wird die Fahrt dauern? Längere Unterhaltung. Die Dame am Schalter war froh, als diese vorbei war und ich an der Reihe. Sie schaute mich an, schaute auf meinen Rucksack und fragte, ob ich vielleicht eine Tasche dalassen möchte. Ich log sie an und sagte, dass ich drüber nachdenken würde. Sind wir ehrlich, 75 Prozent meines Gepäcks brauchte ich nicht, und ich hatte sogar eine Tasche dabei, die allein schon was wiegt, in der ich hätte alles verstauen und da lassen können. Jedoch hatte ich ein anderes Ziel.

Wir warteten vorne, der Fahrer kam, hakte noch einmal alle Personalien ab und schon saßen wir drin. Natürlich Katharina als Erste rein ins Auto, noch vier ziemlich rundliche Australier und Helen, eine ältere Dame. Die Shuttlebusfahrt nach zunächst Glenorchy, dann weiter zum Greenstone Parkplatz, wie soll ich die beschreiben? Die vier Australier waren am Anfang noch fröhlich und unterhielten sich lautstark. Das änderte sich nach fünf Minuten. Der Typ am Steuer, wenn er mal seine Hände daran hatte, brauste die Straße entlang ohne jegliche Kompromisse, und der Kleinbus, japanischer Bauart, dessen Stoßdämpfer gab es offenbar schon länger nicht mehr. Kurve, links Abgrund, der Typ kannte keine Gnade.

In meinen Ohren lief ein Song von Pain of Salvation, Mrs Modern Mother Mary, und ich denke, im Refrain gibt es die Zeile „since I found God“. Halleluja, was ein Ritt. Irgendwann auf einer engen Schotterpiste, durch Creeks, verstand ich dann auch, warum der Wagen keine Stoßdämpfer mehr hatte.

Endlich ließ er uns raus, und das eigentliche Abenteuer begann. Ich hatte es so gebucht, dass ich den Greenstone Track mit dem Caples beginnen wollte. Es stand irgendwas zwischen 2,5 und 3,5 Stunden bis Mid Caples Hut geschrieben, und ich marschierte los. Nach etwa einer Stunde ging die Abzweigung zur Greenstone Hut ab, über eine kleine Brücke. Ich sollte an diesem Punkt in vier Tagen wieder rauskommen, wenn alles gut lief. Das Internet funktionierte schon nicht mehr.

Mittlerweile hatte mich auch meine komplette Reisegruppe überholt. Ich kam sehr langsam voran. Nur Helen, die ältere Dame, schien die Runde genauso anzugehen wie ich, nur sehr viel flotter. Und der Weg ging hoch und runter, schmal und breit, Stock und Stein und Wurzel. Das war kein herkömmlicher normaler Wanderpfad, das war einfach nur ein ausgelatschter Track im Busch.

Irgendwann nach 2,5 Stunden oder so brauchte ich eine Pause. Ich war durch. Ich schwitzte, ich zitterte, anscheinend sind zwei Bananen Frühstück einfach nicht genug für sowas. Ich machte mir einen Milchshake mit Haferflocken, den ich gierig aufsaugte, und marschierte weiter, nur um wieder von einem Pärchen überholt zu werden, das sich später als Brian und Carol vorstellte.

Man muss es lassen, die Landschaft war schön, aber ich war platt. Irgendwann setzte ich mich an eine Wiese, trank nochmal Wasser und legte ein Päuschen ein, total fertig. Da kam ein junger Mann vorbeispaziert, total fröhlich, Richtung Parkplatz, und fragte mich, wie weit es denn wäre. Ich sagte, vielleicht 8 km oder so, und fragte, wie weit es noch zur Hütte sei. Vielleicht 20 oder 30 Minuten. Ich wappnete mich, legte ein 5 Minuten Lied ein und dachte, nach sieben Wiederholungen bin ich da, und marschierte los. Nach der dritten Wiederholung erschien die Hütte in meinem Sichtfeld, und da stand ich nun.

Ich schritt ein, grüßte Helen, Carol und Brian und ging erst mal ins Bett. Zwei Stunden lag ich auf meiner Matratze, bis ich mich wieder bewegte. Wir kamen ins Gespräch, die Menschen hier sind ganz sympathisch, wirklich. Helen hat mir ausführlich das kommende Gelände erklärt, anhand einer Karte. Wirklich gut, das wieder in Erinnerung zu bekommen, war für das Kommende sehr hilfreich für mich.

Ein weiterer Tipp von Helen, wenn dein Rucksack zu schwer ist, dann iss, iss, iss.

Dann trudelten auch noch zwei andere Gruppen ein, junge Leute. Es wurde gekocht, also Wasser warm gemacht und in die Fertigtütensuppe gegossen. Ich vesperte, zum Erstaunen aller. Zu guter Letzt kam noch eine Gruppe mit drei Älteren rein. Eine Frau sah genauso aus, wie ich mich fühlte. Die gossen sich erst mal noch einen Whiskey hinter die Binde, lautstark. Ich lag schon wieder im Bett, als der Ranger kam und durchzählte, ob auch alle da sind, die gebucht hatten, und keiner sich ins Nachtlager schummelte. Ich plauschte kurz mit ihm, fragte, wie viele Kilometer das heute gewesen seien. 9 km. Und morgen? 22 km über den Pass. Ich fing an zu zweifeln.

Er sagte nur, ach, der erste Tag ist immer so. Dann hast du dich an den Rucksack gewöhnt und dann geht das. 9 km für die ausgeschilderten 2,5 bis 3,5 Stunden, dafür habe ich geschlagene 4 Stunden gebraucht. Ich rechnete. 10 Stunden.

Am nächsten Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, etwa 7 Uhr, lief ich los. Mit mir Brian und Carol, die aber bald schon Punkte am Horizont waren. Zuerst über eine Wiesenlandschaft, und dann ging es langsam, aber stetig nach oben. Als ich irgendwo zwischendrin eine Pause am Anstieg machte, überholte mich Helen. Die Frau ist Oma und hat 5 Enkel.

Ich schleppte mich immer weiter hoch. Oben legte ich wieder eine Pause ein und aß was, als ich von einer anderen Gruppe eingeholt wurde. Ich schoss einige Fotos. Der Sattel, wirklich schön. Hochmoor, mit Holzstegen begehbar gemacht. Dann der wirklich beschwerliche Weg hinab, in Serpentinen auf rutschigem Geröllpfad. Tricky, anspruchsvoll, schmerzhaft. Ich glaube, mein Zehennagel hat das nicht überlebt und wird sich in den nächsten Tagen von meinem Zeh verabschieden. Unter ihm blutete es ein paarmal die Tage, und er ist nun blau und wohl beleidigt, dass ich ihn abstoße.

Unten endlich angekommen, legte ich mich erst einmal zehn Minuten hin. Einfach mal ein Päuschen machen. Ich aß meinen letzten Apfel, da kam schon die nächste Gruppe von gestern Abend. Die letzte, die mich überholte. Die älteren Whiskeytrinker sah ich nicht mehr auf dem Track.

In meinem Kopf war das so, dass der Weg zur McKellar Hut, vorbei am gleichnamigen See, so ein breiter, einfacher Weg sei. Von wegen. Das war wieder ein Pfad an einer Steilwand, Wurzeln, Geröll und und und. 3 km reiner Hardcore. Ich schlich mich voran. Als der Erste an mir vorbeirannte, dann der Zweite. Ich weiß nicht, wie man mit so einem Tempo laufen kann. Ich unterhielt mich später mit ihnen. Die machten 38 km an dem Tag, in 7 Stunden. Ich brauchte für die ganzen 22 km genau 10 Stunden und 30 Minuten.

Als ich zur Hütte kam, waren natürlich Helen und Brian und Carol schon da. Die Hütte war voll. Ich traf zwei Mädels aus Deutschland, die den Track andersherum machten. Sie erzählten mir, dass sie bei einem See campten und das wohl illegal sei und sie 500 Dollar Strafe zahlen mussten, dabei wollten sie doch wieder zurückfliegen. So ein Pech. Hätten sie mal das Kleingedruckte gelesen, das überall groß steht, campe nicht in der Nähe von Wasser, 50 m Abstand, du kannst sonst sterben.

Dann war da noch ein älterer Tramp, seit fünf Tagen unterwegs, der draußen zeltete. Für diese Nacht hatte er sein Zelt in einen Holzschuppen aufgebaut. Der Grund? Ein Unwetter war im Anmarsch. Denn just als ich eintraf, genau fünf Minuten später, fing es an zu regnen. Und zwar heftig. Die ganze Nacht durch. Ich hatte wohl Glück.

Der ältere Mann konnte es nicht fassen, wie viele Kilo ich dabei hatte. Der schüttelte nur den Kopf und stellte seine Fertigtüte vor mich, Lammcurry, während ich Brot und Käse aß, heimlich neidisch beobachtet. Ich gab ihm Käse ab, und wir kamen ins Plauschen. Wirklich nette Menschen hier in Neuseeland. Carol brachte mir Tee, Schwarztee. Ich fühlte mich total wohl. Für morgen dachte ich nur, 18 km, das wird bestimmt nicht ganz so schlimm wie heute, geht ja bergab.

Ich startete um 9 Uhr, kurz nachdem ich dem alten Tramp noch einen 250 g Kanten Käse gab. Der ist hier wirklich nicht gut und nur Ballast. Dann marschierte ich durchs feuchte Gras los. Was kam, war heftig. Die ersten 3 km ging es an einer feuchten, nein, durchnässten Felswand entlang, hoch, höher und schlammig, Wurzeln und richtige Wasserfälle. Der Regen hatte die Creeks zum Anschwellen gebracht. Das war hart. Ich brauchte ganze 2 Stunden dafür.

Als ich endlich am Grasland stand, marschierte Helen fröhlich an mir vorbei. Und da ich schon wusste, dass das noch nicht alles war, der Regen hatte auch das Flachland in eine regelrechte Sumpfoase verwandelt, irgendwann habe ich es aufgegeben, den Pfützen und Creeks auszuweichen, und bin mitten durch. Die Füße und Socken waren schon nass und wurden auch nicht mehr trocken.

Ich marschierte, schlurfte und stampfte so über 4 Stunden durch die Prärie, an einer wunderschönen Landschaft vorbei. Kühe, Rehe, Vögel, Spinnennester. Es war wunderschön, und ich wunderte mich, warum ich noch niemandem entgegengekommen war, bis plötzlich zwei junge Japaner vor mir auftauchten. Ich fragte sie, wie weit es zur Hütte noch sei, und sie sagten 2 bis 3 Stunden. Ich fragte, ob der Weg so bliebe, und sah auf ihre Füße. Die hatten schon Badelatschen an. Es wäre sehr schlimm da, wo sie herkommen. Ich blickte die beiden nochmal an und wollte sie nicht ganz entmutigen, aber der Weg wird nicht besser.

Nach dem kurzen Austausch, dieser kleinen, ein bisschen surrealen Begegnung, marschierte ich humpelnd weiter. Langsam wurde mir bewusst, dass mein linker Fuß lahmt. Ich vermute irgendeinen Krampf in irgendeinem Muskel, von dem ich bisher nicht wusste, dass es ihn gibt. Alles tat so langsam weh, Rücken, Füße, Beine, Zehen, und ich marschierte weiter, stündlich den Rucksack für ein paar Minuten abgenommen und weiter, in dieser klassisch schönen Landschaft.

Und dann stand ich plötzlich vor meinem Endgegner. Ein Schild zeigte noch 1 bis 2 Stunden zur Hütte, also für mich 3 oder so, und vor mir hing eine Brücke über einen Creek. Diese Brücke war eine freihängende Seilbrücke mit Maschendrahtzaun als Boden. Richtig, das Ding mit der Höhe. Ich biss die Zähne zusammen und betrat die Brücke. Das ging ganz schön runter, und schwingen tut das auch. Ich stand da und wägte Alternativen ab. Zurück? Geht nicht. Unten rum? Sicherlich, aber zeitaufwendig.

Ich überlegte, meine Angst kam, und ich ging los über die Brücke, den Blick nach oben gerichtet, und kam am anderen Ende an. Angst ist gut, sie warnt. Aber im richtigen Moment die Kontrolle über seine Angst zu haben, ist Gold wert. Was muss, das muss.

Ein Gedanke schlich sich mir aber langsam ein. Von der Greenstone Hut zum Parkplatz morgen sind es 12 km, mein Rückfahrshuttle war um 10.30 Uhr gebucht, ich hatte nur einen Campingplatz und keinen Hüttenplatz. Nach meiner Rechnung müsste ich um 4 Uhr morgens los, um das Shuttle zu bekommen. Puh, schwierig.

Dann war da das Schild, 10 Minuten zur Hut, abseits des Weges, ich muss den morgen nochmal laufen, erst runter, dann hoch. Ich schrie ein bisschen meine Frustration heraus. Das war wirklich anstrengend. Aber nach der zehnten Baumwurzel, an die ich meinen maladen Zeh angestoßen hatte, endlich die Hütte.

Insgesamt 8,5 Stunden habe ich gebraucht, und ich war endlich an der Greenstone Hut. Meine Überlegungen kreisten um die Logistik für morgen. Zu meiner Überraschung saßen alle draußen auf der Veranda und warteten. Sie warteten auf mich. Große Freude. Sofort hatte ich einen Schwarztee in der Hand. Jeder sagte, der Tag war wirklich anstrengend, jeder hatte Probleme mit seinen Schuhen.

Ich erzählte von meinem Problem für morgen und sah auch schon die Lösung an einer Tür stehen. Die Rangerin in ihrer Hütte. Ich ging zu ihr, und wir plauschten auf der Treppe zu ihrer Veranda. Ob noch ein Platz in der Hütte frei wäre, anstatt zu campen, ich müsste früh los wegen des Shuttles. Und siehe da, exakt ein Platz war noch in der Hütte frei. Ich konnte upgraden. Und wegen morgen, im Dunkeln loszugehen, das ginge gar nicht, ich solle kurz warten, sie würde mit ihrem Satellitentelefon dort anrufen. Fünf Minuten später war ich auch für das Shuttle um 12.45 Uhr gebucht. Manchmal kann es so einfach sein.

Abends saßen wir wieder zusammen in der Hütte und quatschten, die Rangerin war mit im Zimmer. Am Nebentisch echauffierte sich ein älterer Herr darüber, wie schlecht der Weg zum Carpark instand gehalten wurde. Das wäre früher alles besser gewesen. Er schimpfte laut, er hätte über Geröll laufen müssen. Wir blickten uns alle an und wussten schon, was Sache ist. Der Weg war wie immer. Das Einzige, was nicht mehr instand gehalten wurde, war der fette Körper des alten Sacks. Wir wussten alle, dass er morgen in der nächsten Hütte nicht mehr über den Weg von heute jammern würde. So viel war klar.

Trotz meiner späteren Abfahrtszeit ging ich im Dunkeln um kurz vor sieben los und marschierte durch einen verzauberten Nebelwald mit meiner Taschenlampe, zuerst wieder auf den Hauptweg, dann langsam voran im Dunkeln. Es war lange diffuses Licht, bis endlich die Sonne durchkam. Der Weg war um einiges besser als der Weg gestern, und ich hätte eventuell sogar noch das Shuttle um 10.30 Uhr erreicht. Ich war endlich schneller unterwegs, als mich Helen einholte und meinte, ob ich nicht mit ihr hier einen Tee trinken möchte. Am Parkplatz wären so viele Sandfliegen, und wenn wir zu früh da wären, würden wir nur zerstochen.

Skurril, mitten im Wald Tee zu machen mit Wasser aus einem Creek, aber diese britische Eigenart, die finde ich großartig. Ob Matze das auch gemacht hat? In diesem Sinne.

 
 
 

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