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Freiheit - Fulda 190 km

Autorenbild: R.
R.
3. Juli
3 Min. Lesezeit

Als ich heute Morgen in der Navi-App Fulda eintippte und 190 Kilometer sah, musste ich leicht schmunzeln. Nachdem ich dann auch noch das Höhenprofil der Tour gesehen hatte, wusste ich eigentlich schon, dass ich es heute nicht bis Fulda schaffen würde. Früher vielleicht. Aber heute?

Ich packte mein Zeug an meinem schönen Schlafplatz im Wald zusammen. Erstaunlich gut hatte ich geschlafen auf der Isomatte. Nur der Lärm der fernen Autobahn nervte hin und wieder. Besuch bekam ich nicht von größeren Tieren, aber die eine oder andere Schnecke verirrte sich auf mein Kopfkissen. Auch eine Art Gesellschaft. Schnecken hatte ich schon länger nicht mehr. Nach dem Frühstück brach ich auf und dachte mir: Wird schon gut gehen. Schauen wir mal, wie weit wir kommen.

Die ersten zehn Kilometer waren dann auch entsprechend mühsam. Welliges Gelände, schwere Beine, dieser zähe Morgenkörper, der noch nicht so richtig verstanden hat, dass er jetzt wieder funktionieren soll. Bis ich einen Bäcker mit Kaffee fand. Warm. Von da an ging es eigentlich. Durch das hügelige Südniedersachsen bis nach Göttingen, durch einen Bereich, der gestern noch vom Kampfmittelräumdienst gesperrt gewesen war. Was man nicht so alles hat hier in Deutschland.

Von Göttingen selbst habe ich relativ wenig mitbekommen. Der Fahrradweg führt so durch die Stadt, dass man beinahe immer im Grünen fährt. Angenehm, aber nicht gerade ideal fürs Sightseeing im Vorbeiradeln. Und für mehr hatte ich wirklich keine Zeit.

Bis zum Mittag hatte ich meine 65 Kilometer abgespult. Ich saß gerade im Gras und machte Pause, als mich ein sehr positiver Anruf erreichte. Gute Laune schlich sich in meine Erschöpfung, und ich machte mich wieder auf den Weg.

Vor mir lag nun der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land. Und die drei Spikes im Höhenprofil standen auf dem Programm. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich weiß davon nicht mehr allzu viel, wie ich gerade feststelle. Ich war wohl völlig blau, wie man so schön sagt.

Irgendwann gegen zwei Uhr setzte dann auch noch Zittern ein, und ich wusste: Es ist wieder Zeit für eine Pause. Von da an nahm ich es entspannter. Mehr Pausen, mehr trinken, mehr essen. Auch weil die Sonne wieder hervorkam und es zunehmend warm wurde.

Schließlich schaffte ich es nach Bebra. Und von da an sah ich sie wieder, beziehungsweise nahm sie bewusst wahr: die Ausschilderung der Radfernwege, wie den R1, die ich in Hessen so liebe.

Hessen hat wirklich schöne Radfernwege. Gut ausgeschildert, gute Infrastruktur, schöne Täler, ordentliche Wege. Und der, den ich nahm, führte direkt nach Fulda.

Also ließ ich es trotz Erschöpfung laufen.

Auf die letzten vierzig Kilometer bin ich besonders stolz. Obwohl ich bereits krampfte und es hin und wieder noch ganz ordentlich hochging, hielt ich das Tempo hoch. Vor allem kurz vor Fulda hatte offenbar noch jemand ein paar Zacken in die Landschaft eingebaut.

Sehr freundlich.

Aber ich kam weit vor Sonnenuntergang in einem Ziel an, das eigentlich viel zu hoch gesteckt gewesen war.

190 Kilometer.

Was soll ich sagen: Hessen und seine Täler sind wirklich schön zu rollen, selbst wenn sie setig ansteigen.

Morgen wollte ich eigentlich noch einmal so ein Husarenstück vollbringen. Leider hat sich irgendwo unterwegs eine Speiche an meinem Hinterrad gelöst, und ich werde wohl erst einmal eine Reparaturwerkstatt suchen müssen.

Vielleicht pfeife ich aber auch darauf und riskiere es.

Wäre natürlich dumm, also vermutlich genau das, worüber ich morgen schreiben werde.

In diesem Sinne.

 
 
 

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