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Christchruch

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 13. März
  • 5 Min. Lesezeit

Habe ich schon genug zusammen, um einen Blogeintrag zu schreiben? Schließlich verbrachte ich heute den Tag entweder im Bett oder im Krankenhaus. Aber natürlich. Aber von vorn.

Nach der Einreisebewilligung für Neuseeland, nachdem die NZeTA relativ rasch bewilligt wurde, buchte ich einen Flug nach Neuseeland. Ich hatte eigentlich Wellington im Blick, merkte aber schnell, dass das zu teuer wird. Gut, dass ich ungern fixe Pläne mache. Also disponierte ich ein bisschen um und buchte für etwa die Hälfte des Preises einen Flug nach Christchurch auf der Südinsel. Die Stadt wurde um 1850 von Europäern gegründet und besiedelt, erste Besiedlungsspuren und frühere Bewohner reichen wohl bis um 1200 nach Christus zurück. Gegründet wurde sie als „the most English city outside England“, und ich kann, nachdem ich nun ein paar Mal durch sie durchmarschiert bin, sagen: Das stimmt so nicht. Sie wurde vielleicht mit dieser Absicht gegründet und entsprechend entworfen, aber das Stadtbild entspricht dem meines Erachtens nach nicht. Ich könnte jetzt noch schreiben, dass ich Christchurch schön finde, lasse aber diesen Seitenhieb auf englische Städte bewusst aus und hebe es nicht auch noch hervor.

Nachdem ich nun die Einreisebewilligung hatte, füllte ich noch das New Zealand Traveller Declaration, kurz NZTD, 24 Stunden vor Abflug per App aus. Ich hatte Campingausrüstung zu deklarieren und stand dann am nächsten Morgen am Schalter, weil ich nicht online einchecken wollte. Es gab leichte Unklarheiten, welcher meiner Pässe denn nun der richtige ist, da mein australisches Visum noch auf meinen alten Pass lief. Ich hatte das noch nicht geändert, weil ich dachte, das würde erst mit der Wiedereinreise nach Australien wieder aktuell. Die Dame am Schalter war wirklich sehr süß und hilfreich. Sie nahm den Telefonhörer in die Hand, und kurze Zeit später durfte ich meinen Rucksack aufs Band legen. Aber erst nachdem ich noch nachgewießen habe, dass ich ein Flugticket besaß, dass aus Neussland führte. Dieses hatte ich und was soll ich sagen, damit erfülle ich mir einen Jugendtraum. Die in Sydney haben so einen besonderen Akzent, den finde ich schon wieder beinahe niedlich, wollte ich nur mal wieder anmerken.

Nach der Sicherheitskontrolle, bei der die Heringe meines Zeltes in meinem Gepäck beanstandet wurden, lange spitze Gegenstände, sagte ich: Wirf sie weg. Sie sagte, das nächste Mal soll ich daran denken, und packte sie wieder ein. Dann saß ich am Gate und wartete und wartete und wartete, dabei ändert ich nich meinen Visa eintrag in der australischen Immigrationsbehörde, unkompliziert über den account. Der Abflug verschob sich, erst um eine Stunde, dann noch einmal um eine. Und ich begann mich zu kratzen. Meine Ohren fingen an zu jucken. Ich ging aufs Klo und erschrak vor meinem Spiegelbild. So eine heftige Schwellung im Gesicht hatte ich schon lange nicht mehr. Meine Ohren rot und geschwollen, meine Nase, meine Augen, Hautausschlag im Nacken und auf dem Kopf. Für jemanden, der mich nicht kennt, wohl nicht bemerkbar, für mich schon. Ich ging in die Apotheke und suchte etwas, das ich nicht fand, kaufte mir aber Hydrocortisoncreme und ein Antihistaminikum. Muss das halt helfen.

Irgendwann saß ich im Flieger. Die Dame am Schalter hat es echt gut mit mir gemeint, ich hatte eine Reihe im Airbus A380, was für ein schönes Flugzeug, für mich allein. Einen guten Film, One Battle After Another, später landete ich schon in Christchurch, und durch die ganze Verspätung und den Zeitunterschied war der Tag auch beinahe schon vorbei. Es war 16 Uhr.

Ich kam relativ unkompliziert durch die Biosecurity-Schleuse. Ob ich etwas anzugeben habe? Ja, sagte ich, ein Zelt und Campingausrüstung. Eine Station weiter schaute sich das ein Beamter an. „Das ist neu, oder?“ Nein, ich habe es geputzt. Pack ein und durch die Röntgenschleuse. Er schickte mich zum Unmut weiterer Reisender ans vordere Ende der Schlange, wo mich zwei junge Damen nicht reinlassen wollten und sich empört an mir vorbeidrängten. Nicht mit dem Kollegen am Röntgengerät, der nach meinem Rucksack griff. Ein bisschen verlegen schlich ich mich an den beiden Damen vorbei, und schon war ich in der Ankunftshalle. Das war simpel.

Der allererste Test, den Neuseeland bestehen musste: Ist der Kaffee genauso gut wie in Australien? Ich schimpfe viel über Australien und die nicht vorhandene Esskultur, aber eines muss man ihnen lassen: Kaffee können sie. Nicht so gut wie die Italiener, jedoch nicht weit weg davon, und hier brauchen sie sich auch nicht zu verstecken.

Auf dem Weg ins Hotel mit dem Bus zogen Bäume an meinem Auge vorbei, und schlagartig fühlte ich mich zu Hause. Die hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Das waren Birken dort am Straßenrand, und nicht nur eine, das waren ziemlich viele. Und da hier gerade Herbst ist, sind sehr viele der Bäume bunt und werfen ihre Blätter ab. Ich könnte jetzt etwas über Evolutionsbiologie schreiben, darüber, dass die heimischen Wälder immergrün sind und warum, und dass die Laubabwerfer und die Birken wohl vermutlich eingeschleppt beziehungsweise mitgebracht wurden. Evolutionsbiologie, für mich die einzige Biologie, die ich spannend finde. Manche biologische Disziplinen verorte ich persönlich eher in der Esoterik, ich bin aber auch ein gehässiger Mensch. Hinzu kommt, dass in Europa und Nordamerika aufgrund ihrer klimatischen Besonderheiten die Laubabwerfer Verbreitung fanden und diese sich auf dem nördlichen Pangäa, Neuseeland dagegen auf Gondwana, evolutionstechnisch entwickelten. So schöne, fantasieklingende Kontinentnamen.

Der geneigte Leser ahnt schon: Ich mag Christchurch. So ist es auch. Das bisschen, das ich auf meinem abendlichen Spaziergang gesehen habe, fand ich ganz ansprechend. Es gab ein relativ schweres Erdbeben, oder eine Serie von Erdbeben, vor 15 Jahren, die wohl zur Stadterneuerung beigetragen hat. Man sieht noch ein paar Ruinen, man sieht eine Kirche, in die ein Pub gebaut wurde, da die Kirche nach dem Erdbeben nicht mehr als Kirche genutzt wurde. Und was soll ich sagen: Der Pub ist besser besucht als die Christmette.

Beim Abendessen, ich habe momentan ein Faible für indisch, unterhielt ich mich mit meinem Kellner. Er fragte, woher ich komme, und ich sagte Brisbane. Er fragte, woher da genau. Indooroopilly. Er sagte, er habe acht Jahre in Toowong gelebt, sei dann aber ausgewandert. Beinahe Nachbarn. Ich fragte ihn, wie die Leute hier so sind, ob sie seien wie die Australier. Er verneinte und sagte: Hier sind sie wirklich freundlich und weniger rassistisch.

Wie fing der heutige Morgen an? Ich hatte Post in meinem Postfach. Arbeit. Also arbeitete ich die ersten Stunden bis kurz vor zwölf an einem Antrag und schickte ihn wieder zurück. Ich sagte: Ich bin obdachlos, Freunde, nicht arbeitslos, danke für die Nachrichten.

Danach dachte ich, ich muss mich mal um meinen geschwollenen Kopf kümmern, der immer größer wurde und wirklich juckte. Da ich in vielen Ländern schon die Notaufnahmen aus dem einen oder anderen Grund besucht hatte, setzte ich Neuseeland auf meine Liste. Und was soll ich sagen: Notaufnahme ist Notaufnahme. Ich sagte der Dame am Schalter, dass ich hier keinen Hausarzt habe und deswegen hierherkomme. Sie sagte, alles okay, ich müsste halt warten, und das tat ich dann auch. Vier Stunden lang.

Dann war ich an der Reihe. Die Mitarbeiterin holte mich rein, sie sah mich an, ich erzählte, sie sah noch einmal hin, ich sagte, was ich genommen hatte, ich sagte, was ich wollte. Sie gab mir das Rezept. Okay, Steroide wollte sie mir noch nicht verschreiben, man kann es ja mal versuchen. Aber das Präparat, das ich wollte, habe ich bekommen, und dann saßen wir noch da und unterhielten uns eine halbe Stunde. Von irgendwo muss die Wartezeit ja herkommen.

Gut, dass ich noch keinen wirklichen Reiseplan zusammengestellt habe. So kann ich flexibel und spontan bleiben, hab ich heute schon einmal erwähnt, oder? Ich denke aber, morgen geht es trotzdem weiter. In diesem Sinne.

 
 
 

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