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Brisbane

  • Autorenbild: R.
    R.
  • vor 17 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

Und ja: das a spricht man nicht.

In dem Moment, als ich landete, wusste ich, dass ich wieder da bin. Temperatur moderat, Luftfeuchtigkeit hoch. Kaum aus dem Flugzeug, schwitze ich, und diese Müdigkeit fällt über mich wie ein feuchtes Tuch. Queensland eben.

Und da kommen sie mir auch schon wieder entgegen: die lächerlichen Strichmännchen auf blasser Haut, Schnauzbärte, Mullets. Ich habe sie nicht vermisst. Manche Damen sind nicht besser, okay, keine Schnauzbärte , aber dafür diese furchtbaren, gestochenen Tattoos und Vokuhilas. Warum in aller Welt lässt man sich die Haut so vollstechen, mit Abziehbildmotiven? Nichts zusammenhängend, kaum Farbe, einfach nur schlecht gemacht. Das ist doch nicht schön, mein ästhetisches Empfinden fühlt sich beleidigt. Gut nicht meine Haut.

Es dauert keine zehn Minuten, und ich bin wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen: rein in den Zug, raus in Indooroopilly, einem Suburb von Brisbane, Schweiß.

Wie gesagt: Bei Straßennamen sind sie nicht kreativ. Die heißen, wie ich inzwischen in Sydney, Melbourne, Brisbane und Adelaide gelernt habe, überall gleich. Aber bei den Suburb Namen wird es interessant. Manche tragen noch indigene Bezeichnungen, richtige Zungenbrecher, und selten so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden.

Und neben den immergleichen Straßennamen haben die Städte dieselben Bausteine: Naturkundemuseum, eine Gallery und eine Gallery of Modern Art, Eintritt frei, ein mehr oder weniger brauchbares öffentliches Nahverkehrssystem, ebenfalls extrem billig bis fast umsonst, ein Royal Botanic Garden, oft ein quadratisches Innenstadtgitter, ein Migrationsmuseum, ein oder zwei Universitäten, ein paar Krankenhäuser, zwei Stadien, Flughafen, Regionalbahnhof, ein Vergnügungsviertel und ein Casino. Et voilà: australische Großstadt. Fertig. Wie bei Civilization® zusammengeklickt.

Ich glaube nicht, dass ich nach Perth muss, um herauszufinden, wie es dort ist. Ich muss nicht einmal Google Maps öffnen, um zu wissen, wie es dort ist. Es wird sich nicht dramatisch unterscheiden. Warum? Wenn du vier kennst, musst du dir die fünfte normalerweise nicht mehr anschauen. Vielleicht tue ich Perth unrecht. Vielleicht auch nicht. Ich glaube nicht.

Es gibt hier fünf Ballungszentren mit über einer Million Einwohner: Greater Sydney, Greater Melbourne, Brisbane inklusive Gold Coast und Sunshine Coast, Perth, Adelaide. Danach kommen Newcastle und Maitland, Canberra und Queanbeyan, Central Coast, Wollongong und Geelong. Die zehn größten Metropolregionen vereinen zusammen ungefähr drei Viertel der Bevölkerung, knapp 21 Millionen Menschen. Die Top fünf allein schon knapp 70 Prozent, rund 19 Millionen, auf einem ganzen Kontinent. Das ist es. Viel diverser wird das hier nicht.

Zum Vergleich: Greater Tokyo Area mit rund 40 Millionen, Mexico City mit rund 21 Millionen, jeweils um die 2800 Einwohner pro Quadratkilometer. Australien dagegen: ein paar Millionen in ein paar Städten, drum herum sehr, sehr viel Raum, 2,3 Einwohner pro Quadratkilometer.

Und überall dasselbe: dieselben Läden, dieselben Ketten, dieselben Marken, dieselbe Weißbrotsorte, dieselbe Wurst, dieselben japanischen Autos. Ich war auf der Suche nach Farben, um meinen kleinen bunten Bauchladen an Bildern weiterzuführen. Fehlanzeige. Nicht möglich. Nicht vorhanden. Wenn ich bestimmte Farben will, muss ich sie importieren. Es ist so unglaublich eintönig.

Und nun wollte ich ein Ranking machen, der Städte hier, die alle mehr oder weniger nach demselben Bauprinzip funktionieren. Dafür habe ich mir heute Brisbane noch einmal angesehen. Ich war zwar schon überall drin, aber ich wollte sicher gehen, dass ich nichts übersehe. Nein, habe ich nicht.

Das Naturkundemuseum hier: ein kleiner Hinweis zu einer indigenen Gruppe mit Verwandtschaftsbezügen nach Papua Neuguinea, klein. Ein paar Dino Knochen, eine Sonderausstellung zu Krokodilen, und dann: ausgestopfte Tiere, Formaldehydgläser, Tiersammlungen. Dazu eine Mineraliensammlung. Wow.

Das einzig Diverse, und für mich in einem Naturkundemuseum eigentlich deplatziert, ist die Ausstellung über die Szene der LGBTIQ Community in den Neunzigern. Warum die zwischen Dino Knochen stehen muss, keine Ahnung.

Dann die Gallery: nette Architektur, modern, riesige Bilder, schön platziert. Was soll ich sagen? Nett. Und dann noch die Modern Art: ja, auch gut. Nett.

Ich kannte das Gebäude: letztes Jahr Weihnachtsfeier auf einem der Balkone. Und ehrlich gesagt war das eine der furchtbarsten Veranstaltungen, auf denen ich je war. Schlecht gemacht. Zu viel von allem und gleichzeitig nichts. Fünfzig Leute, die sich auf der riesigen Terrasse verlieren. Zwang zu non casual. Nur Fingerfood. Du wartest die ganze Zeit auf das richtige Essen, aber es kommt nicht. Eine Auto Tune Sängerin, die jeden zweiten Ton verfehlt. Eine beschissene Stimmung, verkrampft bis in die Schultern. Das Beste war eine Fotobox, in der schlechte Witze erzählt wurden, dazu komme ich irgendwann noch. Und das Schlimmste: dreißig Grad, schwül, Weihnachtsbeleuchtung. Das geht in meinem Kopf einfach nicht zusammen.

Wenn es einen Tiefpunkt gab, dann war es dieser Tag. Wenn es einen Moment gab, an dem ich wusste: so kann es nicht weitergehen, dann war es dieser.

Die Weihnachtsfeiern in der IAC Glasbläserei mit Martin und Tiger waren dagegen Welten besser. Die Jungs konnten was weghauen. Das waren die besten Weihnachtsfeiern. Grüße gehen raus an Tiger, ich hoffe, er lebt noch. Martin ist ja leider nicht mehr.

So. Jetzt haben wir genug Material für ein Ranking.

Was in Brisbane wirklich heraussticht, ist die Stadtfähre. Die ist großartig, auch, weil nahe am Wasser die Luftfeuchtigkeit nicht ganz so dominiert. In Adelaide ist es das Naturkundemuseum, und zwar wegen der Ausstellung zu den Aboriginal Peoples. Das sind die Dinge, die man machen sollte, wenn man in einer der beiden Städte mal absteigen muss.

Dann bleiben Sydney und Melbourne. Und da hat für mich Melbourne die Nase vorn. Queen Victoria Market. Und damit haben wir einen Sieger.

Ob Perth jetzt vor oder nach Brisbane und Adelaide auf drei oder fünf landet, ist eigentlich egal. Der Abstand ist nicht groß.

Soviel zu den Metropolen. Es fehlt noch das Land dazwischen. In diesem Sinne.

 
 
 

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