Auckland II
- R.

- 7. Apr.
- 3 Min. Lesezeit

Nun ich bin es nun wirklich nicht mehr gewohnt, dass es regnen könnte, dann auch noch den ganzen Tag. Deswegen schaue ich auch nicht mehr auf Wetter Apps. So arrogant bin ich mittlerweile, und dieses Nichtplanen, nun ja, hat sich heute leider nicht ausgezahlt. Regentag. Und ich hatte eigentlich an meinem letzten Neuseeland Tag noch Waiheke Island geplant. Fährefahrt, Dörfer, Idylle, Strand und Wein, Grüße an Nine und den Neusselandblog von vor 15 jahren, den hätte ich ausgelassen, und nun? Saß ich beinahe den ganzen Tag in Cafés oder auf dem Zimmer. Eigentlich auf dem Zimmer und habe gemacht, richtig, dies das und das und dies. Oder was manche Leute eben Arbeiten nennen. Zusätzlich noch verschiedene Dinge organisieren, und schwupps war auch dieser Tag wieder voll. Und es regnete den ganzen Tag, so als wolle Neuseeland mir sagen, dass es nun Zeit für mich ist zu gehen. Und das werde ich. Ich brauche wieder ein bisschen mehr Abenteuer, ich brauche es etwas rustikaler. Nun geht es weiter, und irgendwie freue ich mich total darauf. Die Idee dazu hatte ich schon vor 35 Jahren, und morgen realisiere ich sie. Mal wieder gehe ich den längeren Weg.
Was habe ich sonst noch gemacht? Gestern besuchte ich natürlich noch Rangitoto, den Vulkan, der vor rund 600 Jahren in der Bucht aus dem Wasser gewachsen ist. Die Insel ist pest und predatorfrei, deswegen sind an der Fähranlegestelle spezielle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Schuhe putzen an installierten Bürsten, die schauen da auch genauer hin, und dann ging es schon auf die Fähre und bei heftigem Seegang zwanzig Minuten rüber zur Insel. Dort runter und los auf den Hügel. Da stand eine Stunde, 2,2 Kilometer. Mittlerweile scheine ich irgendwie den Stechschritt für mich entdeckt zu haben. Dreißig Minuten später stand ich oben. Guter Weg, breit, an abgekühlten Lavafeldern vorbei. Erklärtafeln hier und da. Rangitoto wirkt wie ein geologischer Nachzügler direkt vor Auckland, jung, schwarz, karg und doch voller Leben, und gerade deshalb ist die Pflanzenwelt so faszinierend. Zwischen Lavafeldern und Fels hat sich hier nach und nach ein erstaunlich dichter heimischer Bewuchs entwickelt, gekrönt vom größten Pōhutukawa Wald der Welt. Auch hier wieder Evolutionsbiologie vom Feinsten, und da ich müde bin, googelt es selber. Interessantes Stück Natur, einzigartig, empfindlich und geschützt.
Es setzte immer wieder Regen ein, gefolgt von Sonnenschein. Den oberen Krater kann man noch umlaufen, der Ausblick aufs Meer ist gut, ins Innere des Kraters kann man kaum blicken. Dann noch zu den Lavahöhlen über Stock und Stein. Da stand ich nun vor ein paar Löchern in der Wand, und ein älteres Paar unterhielt sich auf Deutsch. Die beiden waren auf den ersten Schlag unsympathisch, Typ Katharina und Hoscht. „Geht DER da rein“, fragte sie ihren schwitzenden fetten Mann, als ich die Löcher inspizierte. „Nein, mach ich nicht.“ Ich lief weiter den Weg entlang und ließ die beiden stehen und sah dann auch, was ich eigentlich gesucht hatte, die richtigen Lava Caves, die Höhlen, durch die man wirklich gehen konnte, was ich dann auch tat. Sehr schön. Und als ich nach den fünfzig Metern am anderen Ende wieder herauskam und oben rüber zurücklief, kamen mir die beiden Sympathen entgegen. „Wo geht es da hin?“ „Runter zum Hafen“, log ich und lief an ihnen vorbei. „Nichts Spektakuläres.“ Die beiden drehten um und liefen mir nach. Ja, ich kann auch Arschloch, definitiv, kein Problem. Sollte ich öfter machen, mit nett kommt man heute einfach nicht weiter.
Ich graste noch ein bisschen die Insel ab. Irgendwann wurde mir das mit dem Regen zu viel, und da gerade eine Fähre im Hafen stand, hüpfte ich drauf. Wieder starker Seegang und zurück nach Auckland. Viel war dann nicht mehr, nur noch Kino und ab in die Heia.
Jetzt könnte ich noch ein großes Blabla schreiben und Neuseeland rekapitulieren oder vergleichen oder was auch immer. Ich sage es so: Dass ich heute die Insel nicht gemacht habe, halte ich nicht für so schlimm. Mach ich beim nächsten Mal. Neuseeland ist geil, ich komme wieder. Das ist Aussage genug.
Außerdem habe ich heute viel zu viel geschrieben. E Mails, Essays, Anträge, Mandate, Bewerbungen, ja Bewerbungen. Ein kleines Fernziel ist, wieder zu regelmäßiger Arbeit nachzugehen, eine kleine Wohnung zu haben und als Hobby wieder ein bisschen Kunst zu machen. Ich habe Ideen und Pläne. Was ich suche? Ich bin völlig anspruchslos. Etwas, wo ich nicht jeden Tag angeschrien werde, wäre schon mal was. Anyway, man wird bescheiden, wenn man auf die Fresse bekommt, oder man wird zum Arschloch. Ich bin noch am Überlegen. In diesem Sinne.



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