Apulien & Rom
- R.

- 29. Juli
- 4 Min. Lesezeit

Mal wieder auf dem Flughafen, mal wieder ein schneller Eintrag, denn das Geschehene verdient noch einen. Apulien verdient noch eine weitere Erwähnung. Es ist wirklich schön hier, die Temperaturen waren glücklicherweise nicht so dominant heiß, und es ließ sich in der Gegend gut aushalten.
Was stand nach Bari auf dem Programm? Zuerst Matera, wie ich bereits erwähnte. Es liegt nicht in Apulien, ist von Bari aus aber mit dem Bus relativ einfach zu erreichen. Wenn man frühzeitig bucht und rechtzeitig am Busbahnhof ist. Matera gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt; die Höhlensiedlungen der Sassi reichen bis in die Vorgeschichte zurück. Noch bis in die 1950er Jahre lebten viele Menschen dort unter bitterarmen Bedingungen in den in den Fels gehauenen Wohnungen, bevor der Staat die Viertel räumen ließ. Es ist wirklich extrem malerisch und, wie bereits erwähnt, voller Treppen, was ich glücklicherweise bevorzuge. So rannte ich mit der Kamera in der Hand durch die Stadt und lernte wieder viel über Fotografie. In Ozeanien hatte ich zwar die Kamera dabei, jedoch klemmte ein Steuerrad, weshalb ich zumeist auf Automatik angewiesen war. Hier konnte ich endlich wieder mehr über die Kamera lernen: Schärfentiefe, Belichtung und den ganzen Quatsch, den man braucht, um einigermaßen gute Fotos zu machen.
Abends ging es zurück nach Bari, um am nächsten Mittag in Richtung Alberobello aufzubrechen. Morgens wurde es schon wieder hektisch: durch Bari rennen, bis in die Altstadt, und dann erneut den Abfahrpunkt des Busses finden. Irgendwie war das nicht ganz eindeutig ausgeschildert, und jeder hatte andere Angaben. Natürlich war es der Busbahnhof, von dem auch gestern der Bus nach Matera gegangen war. Hätte man sich denken können, aber in der Hektik passiert so etwas schon. Die Hektik war auch einfach nur selbst verschuldet. So ist das manchmal.
Nach einer Fahrt und einem verpassten Umstieg stand ich dann auch in Alberobello. Mein Vermieter hatte mich schon den ganzen Tag über genervt, wann ich denn ankommen würde, und leider konnte ich ihm keine Zeit nennen, da ich bereits wusste, wie zuverlässig öffentliche Verkehrsmittel manchmal sein können. Auch das trug zu einem wenig entspannten Tag bei. Schließlich passte mich der Mann direkt am Bahnhof ab und begleitete mich noch die restlichen zwanzig Meter in sein, sagen wir, Loch, mit gefährlicher Wendeltreppe und einer überaus weichen Matratze. Viel zu weich für meinen Geschmack. Ich glaube, mein Vermieter war einfach pleite. Er brauchte unbedingt das Geld und nahm es entsprechend dankbar entgegen. Und somit hatte ich endlich ein bisschen Ruhe.
Abends noch ein Schlendern durch die Altstadt. Alberobello ist berühmt für seine Trulli, weiß getünchte Rundhäuser aus Trockenmauerwerk mit kegelförmigen Dächern. Die Bauweise entstand mindestens im 14. Jahrhundert; besonders viele Trulli stehen in Rione Monti und Aia Piccola. Seit 1996 gehört Alberobello zum UNESCO-Welterbe.
Auch am nächsten Tag wieder sehr viel Schlendern durch diese malerischen Gassen. Wirklich außergewöhnlich schön, mit extrem schönen Fotos in dieser herrlichen Kulisse. Dieses entschleunigte Reisen ohne Fahrrad ist eigentlich auch ganz schön. Der Tag ging vorbei wie im Flug, am nächsten Tag war wieder Transfertag nach Polignano a Mare. Polignano liegt auf Kalksteinfelsen direkt über der Adria und ist für seine Altstadt, die Badebucht Lama Monachile und ein überaus ansprechendes Restaurant direkt im Felsen bekannt. Der Platz kostet nur 250 Euro. Kurz war ich am Überlegen, habe es dann aber so lange herausgezögert, bis keine Buchung mehr möglich war. Vielleicht auch besser. Das wäre kein Return on Investment geworden. Verlorene Zeit und Liebesmühe.
Die Stadt war bereits in römischer Zeit besiedelt, was ich am nächsten Tag von der Adria aus mit dem Motorboot erkunden konnte. Beim Sprung vom Boot in die Adria musste ich natürlich leicht ausrutschen und mir mal wieder einen blauen Zeh holen. Der Nagel wird bald abgehen. Der zweite dieses Jahr. Den ersten habe ich in Neuseeland auf dem Greenstone Hike strukturell so geschwächt, dass er mir irgendwo im Südpazifik abgefallen ist. Auch in der Stadt an der Adria habe ich wirklich schöne Fotos gemacht, sehr viel gelernt und, man soll es kaum glauben, morgens um sechs sind keine Touristen unterwegs. Es ist mir zwar viel zu früh im Urlaub, um zu dieser Uhrzeit aufzustehen, aber hey, menschenleer. Wieder was gelernt.
Der wahre Schatz Apuliens sind aber nicht allein die malerischen Ortschaften, sondern die wunderbaren, freundlichen Menschen, die man überall trifft. Menschen, die Zeit haben und auch Lust darauf, sich auf dich einzulassen. Das ist für mich das wirkliche Kulturerbe dieser Region.
Generell war es wirklich lehrreich, einmal so unterwegs zu sein. Eine Begegnung mit einem Fotografen war außergewöhnlich: Der Mann fotografiert auf silberbeschichteten Glasplatten und entwickelt die Bilder direkt vor Ort. Phänomenale Technik, und ich überlege, wie viel Zeit ich brauchen würde, um das zu kopieren. Vermutlich nur ein paar Jahre.
Die Rückfahrt nach Rom war leider völlig langweilig, meine Hotelwahl und der Rabatt dagegen phänomenal. Noch das übliche Programm in Rom, vor allem das neu Gelernte angewandt, was wieder ganz starke Bilder gab.
In diesem Sinne
P.S.: Rekortzeit, 18 Minuten vom errsten Satz bis zur Veröffentlichung



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