top of page

Apulien

  • Autorenbild: R.
    R.
  • 25. Juli
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Juli


Wie jetzt? Doch nicht Genua, wie es eigentlich mein Plan war? Nope, mal was Neues, wie es ja sonst auch nicht auf meinem Plan steht. Und ja, ich war schon in Apulien, genauer gesagt in Nordapulien: Foggia, Vieste, Manfredonia, Peschici und im Parco Nazionale del Gargano. Damals mit dem Fahrrad. Danach bin ich Richtung Westen, Richtung Neapel, abgebogen. Damals war es März, und damals war ich schon entzückt von den Dörfern und den malerischen Städtchen. Wer es noch einmal nachlesen möchte: Ganz am Anfang dieses Blogs ist es zu finden. Damals, als ich noch dachte, ein glücklich verheirateter Mann auf einer Fahrradauszeit zu sein und danach mit seiner Frau glücklich weiterzuleben. Es ist viel passiert in den letzten Jahren, und so langsam wird es Zeit für mich, mich altersentsprechend zu verhalten. Ich meine, die Feierlichkeiten zu meinem Fünfzigsten dauern nun schon eineinhalb Jahre, und langsam sollte die massivste Midlife-Crisis ihr Ende nehmen. Zwischenfrage: Wo ist eigentlich der verdammte Porsche geblieben, den man als Mann doch eigentlich zugesprochen bekommen sollte?

Anyways, mein Leben wäre nichts ohne die bisherigen Wendungen, die es in den letzten Jahren genommen hat. Langweilig war es mir selten, und ich habe viel gelernt. Also Apulien? Wie kam ich nun auf diese Idee? Die Geschichte fängt ein bisschen vor dem letzten Blog an. Ich stand am Kolosseum, zwei Tage nach meinem Geburtstag, hatte den Palatin hinter mir und wartete auf den Sonnenuntergang. Dabei fotografierte ich Menschen, die sich fotografierten. Streetfotografie halt. Ich hatte eigentlich Spaß, bis plötzlich neben mir eine junge Dame auf Englisch fragte, ob ich sie nicht fotografieren könne oder möchte. Das tat ich dann auch, sehr gerne sogar. Und wenn ich diese Aufnahmen anschaue: Ich habe in meinem Leben selten schönere gemacht. Liegt am Motiv.

So kamen wir ein bisschen ins Quatschen, und das Quatschen dauerte Stunden. Einmal das Forum Romanum hinunter, das Kapitol hinauf, über den Circus Maximus, den Palatin entlang und mit der Metro hoch zum Termini. Essen im La Matriciana und danach wieder zum Kolosseum. Und das alles, während das Endspiel lief. Das 1:0 in der Verlängerung, bitte, das hatten die Spatzen lange vor Abpfiff vom Dach gepfiffen. Ich habe keine Sekunde dieses Schauspiels zugeschaut. Kurz vor Mitternacht standen wir wieder vor dem Kolosseum, und da sie in ein paar Minuten auch Geburtstag hatte, danach noch einmal. Ich werde anderer Leute Geschichten hier nicht wiedergeben, aber ich denke, sie ist ähnlich traurig wie ich. Vielleicht weiß sie mit ihrer Einsamkeit noch besser umzugehen als ich, zumindest von Zeit zu Zeit. Wir haben dieselben Hobbys, zum Beispiel Fotografie und Reisen (wobei sie beides sehr viel besser betreibt als ich), es gab genug Redestoff, und sie würde am nächsten Morgen sehr früh nach Apulien, genauer gesagt nach Bari, weiterfahren. Ich brachte sie noch nach Hause, und bevor ich mich nachts um zwei Uhr in Richtung meiner Unterkunft aufmachte, bekam ich noch ihre Telefonnummer.

Morgens, nach ein paar Stunden Schlaf, wollte ich eigentlich nach Genua. Doch am Termini buchte ich den Zug nach? Wohin wohl? Nach Bari! Und da ich selten unbeobachtet bin, bekam ich nach einem Post auf Instagram relativ schnell eine Nachricht. „Sooooo, you’re in my region.“ Meine liebe Kollegin Anna, die mittlerweile wieder in ihrer Heimat Bari arbeitet, meldete sich beinahe umgehend. Das hat mich sehr gefreut, und wir verabredeten uns für den nächsten Tag auf einen Kaffee nach der Arbeit, also ihre, nicht meine. Anna war damals die Einzige aus unserem inkompetenten Haufen, die wusste, wie der Hase läuft. Hätte man sie nur mehr gefördert, anstatt sie in etwas zu zwingen. Ich habe mich plötzlich richtig darauf gefreut. Ich mag das, wenn Leute sehen, dass ich in ihre Region komme, und mir schreiben. Von mir aus würde ich das nie machen. Ich will ja niemandem zur Last fallen, aber wenn jemand so auf mich zukommt? Auf jeden Fall!

Ist doch schön, wenn man so begrüßt wird? So wertschätzend! Deswegen erspare ich uns jetzt die Geschichte von einer Unterkunft, die so verdreckt war, dass sogar ich sie ablehnte, die erneute Suche und den Altstadtspaziergang in Bari. Ein Muss, ein absolutes Muss: Le nonne: die Großmütter beziehungsweise Frauen aus Bari Vecchia, die an der Strada delle Orecchiette, Via Arco Basso, die Orecchiette vor ihren Häusern machen und verkaufen. Und irgendwie war ich erschöpft. Bin halt auch nicht mehr der Jüngste und habe mir einen kleinen Plan gemacht. Morgen Monopoli, dann einen Tag Bari und anschließend über Matera nach Neapel weiter. So war der Plan.

Eine WhatsApp später saß ich am nächsten Tag, nach meinem Monopoli-Besuch, dem Treffen mit Anna in Bari mit der Frau die ich in Rom kennenlernen durfte, um zehn Uhr abends beim Essen. Spaghetti alla assassina, wieder so eine apulische Spezialität, oder Bari? Mein Plan? Nun ja, was soll ich sagen? Am nächsten Morgen lief icj durch Matera, eine unglaubliche Stadt mit Felshöhlen und, ihr wisst schon, sehr vielen Treppen. Da ich wieder fitter bin, waren die 35 Grad Celsius zwar störend, aber ich war den ganzen Tag fotografierend unterwegs. Und natürlich mit dem Bus hin und zurück. Dann, man mag es nicht glauben, ging es weiter nach Alberobello, Trulli anschauen und so. Nach zwei Tagen in dieser Kleinstadt kann ich nur sagen: Ich bin so dankbar, dass mich jemand aus meiner üblichen Italien-Routine genommen und mich mitten in Apulien abgesetzt hat. Es ist absolut bezaubernd hier, und ich genieße die Zeit gerade sehr.

In diesem Sinne.

 
 
 

Kommentare


bottom of page